Von:
Claudia Schubert

e-handtasche.de

Sie steht vor mir auf dem Tisch. Groß, schwarz, gefüllt mit allen wichtigen Dingen, die man so brauchen kann im Laufe eines Tages. Ich habe sie immer bei mir, auch wenn ich die Wohnung nur mal kurz verlasse.

Schon als kleines Mädchen habe ich von einer Handtasche, so wie die englische Gouvernante Mary Poppins sie besitzt, geträumt. Unvergesslich die Filmszene: Soeben hat Mary Poppins ihre neue Stelle angetreten und richtet ihr Zimmer ein. Die Tasche steht auf dem Tisch und das Kindermädchen zaubert eine weiß gestärkte Schürze, ein Parfumfläschchen, einen Klappsitz und sogar eine Stehlampe hervor.

Und schon kann sie sich ihren beiden Schützlingen zuwenden. Eine Handtasche voller nützlicher Dinge, die zum richtigen Zeitpunkt zum Vorschein kommen. Natürlich besitze ich weder eine solche Handtasche noch einen Regenschirm mit Griff in Papageienform, mit dem ich zur Arbeit fliegen könnte.

Ich betrachte die schwarze Handtasche vor mir. Mittlerweile habe ich Handtaschen in verschiedenen Farben und Formen. Eins gemeinsam haben sie alle: das Inventar. Um stets vorbereitet zu sein, packe ich den Inhalt immer sorgfältig um, wenn ich die Tasche wechsle. Tagebuch, Kalender, Telefon, Taschentücher, Taschenlampe, Schraubendreher, mehrere Stifte, Strumpfhosenersatz, Pflaster, Fotos, Postkarten und das kleine Notizheft mit den abgeschriebenen Gedichten und Psalmworten trage ich bei mir.

Man kann nie wissen, wie der Tag verläuft, vielleicht ergibt sich ein Moment Ruhe und ich finde Zeit, eine Postkarte an meine Freundin zu schreiben. Schade wäre es doch, wenn ich dann keine Briefmarke bei mir hätte. Handtasche samt Füllung ist mein survival kit. Ich genieße das Gefühl von Unabhängigkeit und gleichzeitiger Geborgenheit, weil ich für mich wichtige Dinge bei mir habe.

Manchmal entsteht der Eindruck, dieses sackartige Accessoire sei die Außenstelle des örtlichen Fundbüros – sehr zur Erheiterung Umstehender, wenn ich mal wieder meinen Hausschlüssel in den Tiefen der Tasche suche. Doch das nehme ich gern auf mich – wissend, dass ich mit meiner Handtasche jederzeit aufbrechen kann, um die Weite der Welt zu erforschen und das Leben zu spüren.